Der schönste Ortsteil von Bad Harzburg

20. Jahrhundert

1994

Westerode hat ca. 1000 Einwohner.

1993

1993 wird Westerode in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen.

1990

07. - 09.09.1990 - Dorffest

… mehr zum Dorffest 1990

1989

11.11.1989 - Grenzöffnung

Hierzu gibt es einige sehr interessante Seiten - hier ein Auszug:

1983

1983 wird ein großes Dorfgemeinschaftsfest gefeiert, an dem alle ortsansässigen Gruppen und Vereine beteiligt waren.

1973

Der Güterverkehr wurde auf der durch Westerode verlaufenden Bahnstrecke eingestellt und die Strecke stillgelegt.

1972

1972 erfolgt im Zuge der Gemeindereform der Anschluss an Bad Harzburg. Danach wird in den Räumen der ehem. Gemeindeverwaltung der Kindergarten einge­richtet.

1965

Die Quellesiedlung entsteht.

Die Quellesiedlung ist direkt westlich des Waldstücks Holzwiesen auf der Flur Steinkamp gelegen. Sie befindet sich am Abhang des Butterbergs, der eine natürliche Barriere zwischen dem Ort und der Bad Harzburger Innenstadt darstellt. Ein nicht weiter benannter Feldgraben beginnt in der Quellesiedlung und mündet in den Kattenbach. Durch die Siedlung hindurch führt das Gleisbett der Bahnstrecke Heudeber-Danstedt–Bad Harzburg.

Informationen aus Wikipedia

1964

In diesem Jahr beginnt der Bau der Kanalisation.

1962

wird die neue Schule gebaut. Im alten Schulgebäude wurde das Dorfgemein­schaftshaus mit einer Bücherei und der Gemeindeverwaltung eingerichtet.

1959

Die alte Leichenhalle wird abgerissen und die Friedhofskapelle wird errichtet.

1958

Der Personenverkehr der Bahnstrecke Heudeber - Danstedt - Bad Harzburg wurde eingestellt und die Haltestelle Westerode geschlossen.

1956

St. Nicolai Kirche

Von Westerode werden Luftaufnahmen gemacht.

Hier geht es zu den Fotos

1955

Die alte große Glocke aus der Westeröder Kirche wurde im 2. Weltkrieg eingeschmolzen. 1955 bekam unsere Kirche zwei neue Glocken.

1950

Mittwoch, 11. Oktober 1950

In Zeiten der hiesigen Pandemie, ein Beitrag zum Thema:

Hygiene

10.000 Keime für die Patienten mit infektiösen, unhygienischen und unappetitlichen Hauterkrankungen und Ekzemen, die Hautspezialist Doktor Wendeborn unter 20 anderen Ärzten in das kurstädtische Badehaus Bad Harzburg schickt, soll eine der 41 Wannen speziell für zur Verfügung stehen. Die Badefrau sagt: „Ich nehme dann gerne die Emaille-Wannen wegen des besseren Saubermachens. Ja.“

Ausgabe 41 / 1950Was die Abwässer des Badehauses, und auch die Abwässer der Emaille-Wanne für die Patienten Doktor Wendeborns, sind auch in der abgelaufenen Kursaison wieder, wie eh und je, in den Mühlengraben gelaufen, der als Abzweig des Radau-Bachs unter dem Badehaus hindurchfließt, im angebauten E-Werk Turbinen treibt, in der Mittelstadt wieder in das Bachbett mündet und sich nebenbei noch nützlich macht das Freibad an der Herzog-Julius-Straße mit Wasser zu versorgen.

Als das Freibad durch Stadtdirektors Dekret vom 29. August bis 20. September geschlossen wurde hieß es „lediglich zur Vorbeugung“ und „wegen eines bisher aufgetretenen Falles von spinaler Kinderlähmung und von in der Umgebung bislang bekannt gewordenen vier Fällen“.

Weil das englisch besetzte neue Freibad mit geschlossen wurde, konnte man glauben. Weil die Schulen zunächst nicht mitgeschlossen worden sind, wollten einige nicht glauben und suchten den wahren Grund im Abwässer-Bassin selbst.

Da alles geheim vor sich gehen soll, windet sich Stadtdirektor Doktor Doktor Wegener: „Als ich vor 6 Monaten es können auch 4 sein, davon erfuhr das Badende aus dem Julius-Straßen-Bad Bindehautentzündungen bekommen haben sollen, habe ich meine Bauverwaltung mobil gemacht. Sie hatte nichts zu beanstanden.“

Was die Abwässer aus dem Badehaus liefen weiter Via Mühlengraben durch einen karpfenbesetzten Gondelteich in das Freibad-Bassin. Nur Bademeister „Kater“ Hoenen tat etwas dagegen. Er sperrte den Zulauf zum Bassin des Freibades wenigstens während der Tageszeiten, zu denen das Badehaus mit Gesunden und Kranken in Betrieb war.

Der Direktor von Harzburgs Nachbargemeinde Westerode, Erwin Menneckes, bedauert die Harzburger Sorgen sehr: „Dann sind sie an den unseren sicher nicht mehr so stark interessiert.“

In Westerode geschah es, dass Eisenbahn-Lagerschaffner Otto Bues, geborener Westeröder und SPD-Fraktionsführer im Gemeinderat zum Holzsammeln ausging. Den Kattenbach entlang, der jenseits des zwischen Westerode und Bad Harzburg liegenden Butterbergs die Westeröder Gemarkung bewässert, das Westeröder Bad versorgt und das Westeröder Weidevieh tränkt. Unterhalb der Lungenheilstätten „Wolfsklippen“ die am äußersten östlichen Zipfel der Gemarkung Bad Harzburg liegen, stank dem ollen Bues etwas gewaltig in die Nase. Fliegenschwärme machten ihn zudem stutzig.

Bues ging dem Gestank nach und meldete zu Hause: Alle Abwässer und Fäkalien der Lungenheilstätten Wolfsklippen liefen in eine Grube und von dort aus durch eine Tonröhre über einen modrigen Abhang in den Kattenbach. 30 Meter hinter dem Abwässer-Zulauf verschwänden dann Bach und Abwässer im Erdreich.

Nun hat es 1946 in Westerode eine Epidemie mit 384 Typhus-Erkrankungen und 16 Todesfälle gegeben. Westerode heißt seitdem Bazillenrode. Die gemeindeeigene Trinkwasserquelle am Hang des Butterberges lieferte ständig schlechter werdendes Wasser. Regelmäßige Untersuchungen ließen eine Katastrophe fürchten: Im Typhusjahr 1946 war es im Juni ein Keim pro Kubikzentimeter, im Dezember waren es 4. 1947 wurden es 10. 1949 – 30. Anfang 1950 – 280, im Juli 10.000 pro Kubikzentimeter. Tatsächlich: 10.000.

Aber noch bevor Gemeindedirektor Menneckes dieses letzte Katastrophen Ergebnis in den Händen hielt, meldete er den Befund von Schaffner Bues an die Aufsichtsbehörde des Kreises. Man hatte Sorgen wegen der öffentlichen Freibäder.

Der Kreis meldete dem zuständigen Wasser-Wirtschaftsamt in Braunschweig. Bis etwas geschah, gingen 5 Wochen ins Land. Am 17. Juli endlich orakelte Baurat Schmidt: „der Kattenbach ist für ihre Badeanstalt vollkommen unmöglich.“ Das Trinkwasser stand nicht zur Debatte. An das Weidevieh hatte man nicht gedacht.

Dann kam das katastrophale Trinkwasser-Untersuchungsergebnis des Leiters des staatlichen medizinischen Untersuchungsamtes Braunschweig, Doktor Popp. „Wir werden ihr Wasser an der Quellkammer untersuchen. Passen sie auf, dort ist es in Ordnung.“ Die Westeröder waren darauf gefasst, dass ihre Rohrleitung irgendwo defekt war und das dort die Verunreinigung in ihr Trinkwasser geriet.

Doch auch an der Quelle blieb die hohe Keimzahl. „Dann ist das hier gar keine Quelle“, sagt Doktor Popp, „sondern der Austritt irgendeines Oberlaufes“.

Am 28. Juli ließ Doktor Popp vom Kreis die Schließung der Westeröder Wasser-Versorgungsanlage anordnen. Am Abend des 31. Juli um 18:50 Uhr, umstanden die „Bazillenröder“ wieder ihren alten Bekannten Doktor Popp. Diesmal 30 Meter unterhalb des Zulaufs der Lungenheilstätten-Abwässer in den Kattenbach.

Dort, wo das Bachwasser mit den Abwässern der Lungenheilstätten Wolfklippen im Erdreich verschwindet, schüttete Doktor Popp 4 Liter Wasser das 50 Gramm aufgelöstes Fluoreszin enthielt, in die versickernde Brühe.

Am nächsten Morgen um 08:00 Uhr wussten die Westeröder Bescheid: Ihre Quelle war tatsächlich keine Quelle, sondern der Kattenbach, der hier 1,3 Kilometer vom Zulauf der Wolfsklippen-Abwässer wieder zu Tage trat. Das Wasser in den Westeröder Sammelbecken war grün vom Fluoreszin.

Also haben die Westeröder nicht nur in den Lungenheilstätten-Abwässern gebadet, nicht nur das Vieh hat Wolfsklippen-Abwässer gesoffen, sondern auch die Westeröder selbst haben es getrunken.

Die „Quellkammer“ der Westeröder Wasserleitung ist der hauptsächliche Austritt des unterhalb der Wolfsklippen versickernden Kattenbaches. Ein Teil tritt allerdings bereits weiter oberhalb in der Schambach-Quelle wieder zutage. Dort schöpften sich die Küchenbediensteten des Gasthauses „Wolfenstein“ das „frische Quellwasser“.

Unmittelbar bei der Westeröder Quellkammer und den Überlaufgraben zum Kattenbach befindet sich auf der Westeröder Gemarkung die Fuchshöhlen, ein waldbesetztes Geländestück das Harzburg vor langem – so 1893/94 – von Privathand gekauft hat. Dort wird der Harzburger Müll abgeladen. Seit langem.

Als die Wolfslippen Glück Lazarett waren, weiß Schaffner Otto Bues, kamen da auch amputierte menschliche Glieder hin. Heute noch wird dort der Fleischabfall abgeladen und alles was nicht in die Kanalisation geht.

In den Fuchshöhlen mästen sich die Ratten. Die Westeröder sagen, es wimmele dort abends von Ratten, als ob sich die Erde bewege. Jede Rattenbekämpfung ist in typhusbedrohten Westerode illusorisch. Auch die Ratten saufen Kattenbach-Wasser.

Seit dem 28. Juli bezieht Westerode sein Trinkwasser aus der Ecker-Fernleitung und verliert dadurch monatlich 500 DM bis 600 DM. Die soll nun der Landkreis Wolfenbüttel als Eigner der Lungenheilstätten Wolfsklippen zahlen. Dazu besteht Westerode darauf, seine alte Leitung wieder zu benutzen, wenn nicht anders durch Weiterverlegung ihre Rohre bis oberhalb der Wolfklippen.

Klagen gegen den Landkreis werden auch die Typhusgeschädigten. Vorgeprellt ist zunächst einmal „hochachtungsvoll“ die Schneiderin Frieda Klages, sie verlangt unter dem 21. September Erstattung

·         des Verdienstausfalles für 58 Tage Seuchenabteilungs-Aufenthalt

·         des Verdienstausfalls für 42 Tage Rekonvaleszenz

·         eines Schmerzensgeldes ist für erlittene gesundheitliche Schädigung

Frieda Klages hat noch keinen Rechtsbeistand. Die juristische Begründung ihrer Forderungen ist dilettantisch und der Landkreis wird sich bis aufs Messer wehren.

Hinter Frieder Klages stehen 368 weitere Fordernde Schlange, darunter viele, die Lebensrenten gelten machen und so Unglückliche wie die beiden Kinder Oehlmann, deren Vater in Russland und deren Mutter bei der Typhusepidemie geblieben ist. Fehlen würden in der Schlange hinter Frieda Klages nur die 16 Toten. Und denen kann man nicht einmal der Staatsanwalt helfen.

1946 - 1947

Bei der Typhusepidemie gibt es in Westerode und in näherer Umgebung ca. 60 Todesfälle.

1945

08.05.1945 - Kriegsende in Westerode

Während des 2. Weltkrieges blieb Westerode von Gebäudeschäden weitgehend verschont. Dies sollte sich aber zum Kriegsende mit der Sprengung der Muna am 10. April 1945 ändern. Obwohl bekannt war, dass man alle Fenster öffnen sollte, um sie den Druckwellen der Sprengungen nicht auszusetzen, gingen viele Fensterscheiben zu Bruch. An meinem Elternhaus (heute Sandstraße 1) waren an der Vorderseite allen Dachziegeln verrutscht. In der Nacht der Sprengungen lagerte eine Truppe der Organisation Todt, (NS Organisation zum Bau von kriegswichtigen Einrichtungen wie Westwall oder Wolfsschanze) die auf dem Rückzug war, in unserer Scheune.

Da sie am Abend von meiner Mutter mit einer warmen Suppe versorgt worden waren, brachten sie am Morgen vor ihrem Weiterzug unser Hausdach wieder in Ordnung.

Ein Kuriosum gab es bei Otto Nordhausen in der Küche. Ein Blumentopf mit einer großen Myrte, der aus der Fensterbank geschleudert wurde, stand aufrecht unter dem Tisch.

Auf Beulekes Bauernhof gab es einen sehr stabilen Keller unter der Scheune, der auch den Nachbarn als Luftschutzbunker diente. Dort waren in der Nacht vor dem Einmarsch der Amerikaner ca. 20 Menschen versammelt, weil man nicht wusste worauf man sich einstellen musste. Am Morgen waren dann die amerikanischen Soldaten da und einige Frauen trauten sich, ausgestattet mit weißen Tüchern, aus dem Keller heraus und sie merkten bald, dass sie keine Angst zu haben brauchten.

In der Schlewecker Straße waren die Nachbarn in dieser Nacht im Haus von Kochs im Keller versammelt. Dort befand sich auch durch Zufall ein junger Wehrmachtssoldat, der den letzten Kriegswirren entfliehen wollte. Ihm verhalf man dort zu unauffälliger Kleidung, in der er sich zu seiner Familie nach Westdeutschland durchschlagen konnte. Monate später kam von ihm ein „Fresspaket“ in Westerode an, mit dem er sich für die Hilfe bedankte.

Vor dem Einzug der Amerikaner hatte Erich Buritz veranlasst, eine weiße Fahne aus dem Kirchturm wehen zu lassen und dadurch sinnloses Blutvergießen verhindert.

Als später die Häuser durchsucht wurden, kamen zwei Amerikaner auch in unser Haus. Das Radio, für das sie sich interessierten, wurde von meiner Mutter so eingestellt, dass nur ein Rauschen zu hören war und so konnte sie es behalten.

Im Obergeschoss schliefen meine Geschwister, zweijährige Zwillinge. Als der erste Soldat sie in ihren Betten sah, gab er seinem Kameraden ein Zeichen leise zu sein und sie verließen schnell unser Haus, um keine weitere Störung zu verursachen.

Im Schlafzimmer unseres jetzigen Hauses in der Sandstraße 7 waren die 4 Töchter der Familie Attrot untergebracht. Die waren zu Tode erschrocken, als bei der Hausdurchsuchung ein dunkelhäutiger Soldat mit Maschinengewehr in ihrer Kammer stand. So etwas hatten sie noch nicht gesehen. Es wurde ihnen jedoch kein Haar gekrümmt.

Bei der Besetzung Westerodes wurde im Haus von Pfaues (Sandstraße 9) die amerikanische Kommandantur eingerichtet. Familie Pfaue kam bei ihren Verwandten Erna und Emil Lüders unter. Zum Füttern der Tiere und zum Melken der Kühe durften sie ihren Bauernhof aber betreten.

In der an Pfaues Hof angrenzenden Wiese wurde eine Haubitzenbatterie in Stellung gebracht, mit der zum Torfhaus geschossen wurde, wo sich noch immer Widerstandskämpfer verschanzt hatten. Am 15. April fiel dann auch nach sinnlosen Kämpfen die Torfhaussiedlung.

Nach Kriegsende waren die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter frei.

Die mussten sich mit Mundraub irgendwie durchschlagen. Man konnte nun an der Örtlichkeit der Diebstähle absehen, wo diese Menschen gut oder schlecht behandelt wurden.

Nachdem Deutschland in die 4 Sektoren aufgeteilt wurde kamen die Engländer nach Westerode. Zu denen war das Verhältnis dann nicht mehr so gut wie zu den Amerikanern.

Da ich erst 6 Jahre nach Kriegsende geboren wurde, stammen meine Informationen aus Erzählungen meiner Eltern und Nachbarn.

Günter Beuleke Mai 2020

15.04.1945

Eine Haubitzenbatterie wurde in Westerode in Richtung der Siedlung Torfhaus in Stellung gebracht. Die Siedlung Torfhaus wurde am 15.04.1945 besetzt, stand danach aber unter Beschuss deutscher Artillerie. In den folgenden Tagen kam es dort immer wieder zu kleinen Gefechten und Hinterhalten durch versprengte deutsche Soldaten, die sich in den Wäldern versteckt hielten

Aus Überlieferungen ist die Position der Haubitzenbatterie bekannt und in diesem Zusammenhang wurde auch berichtet, dass sich die amerikanische Kommandantur im Wohnhaus in der Sandstr. 9 einquartiert hatte.

Symbolfoto

Info u.a. aus GZ 8.4.2005

Luftbild Royal Air Force Nov 1945

10.04.1945

Damit die Munition nicht in gegnerische Hände gelangte, sprengten am Abend des 10. April 1945 deutsche Pioniere die Luft-Munitionsanstalt 4/VI (Muna) im Schimmerwald. Die Detonationen ließen die Splitter kilometerweit fliegen. Die Bewohner hatten die umliegenden Dörfer zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Mehr als 10 Tage lang soll anschließend ein Brand im Schimmerwald gewütet haben.

Es war eine der größten Sprengungen, die es je in Mitteldeutschland gab.

Der Bau erfolgte ab 1935 unter dem Tarnnamen "Wir bauen eine Schokoladenfabrik" auf einer Fläche von ca. 270 ha., welche dann zur Versorgung des Fliegerhorstes Goslar gehörte. Auf dem Gelände befanden sich 137 Lagerbunker, Munitionsarbeitshäuser, Luftschutz-Deckungsgräben, Trafobunker, Kommandantur und Wachgebäude.

In den Bunkern lagen nach Unterlagen der Alliierten ursprünglich knapp 38.000 Tonnen Munition, wobei nach den Sprengungen immer noch 10.000 Tonnen völlig unbeschädigt blieben. Die Räumungen wurden 2012 beendet. Nach Ende des 2. Weltkriegs sind bis zu 24 Menschen durch die Hinterlassenschaften ums Leben gekommen. Hierbei waren durch Blindgängern und scharfer Munition nicht nur Opfer des Räumungspersonal zu beklagen sondern auch Pflanzfrauen der Forst, Pilzsammler, Grenzgänger, Schrottsammler und Holzsammler.

Infos u.a. aus GZ 9.4.2020, volksstimme.de Okt2011
Foto: Archiv Andreas Weihe
Mehr auf Nordharz-Portal 

1944

B-17 42-31855

Ein amerikanischer B-17 Bomber (die fliegende Festungen der US Airforce) wurde am 8. April 1944 über Westerode von deutscher Flak abgeschossen. Das Ziel war Handorf.

Ausszug: Missing Air Crew Report (MACR) 3798

Die Flak traf Motor #2, welcher ein Feuer entzündete. 8 Besatzungsmitglieder stiegen aus, bevor der Flügel abbrach.

Bomber-Gruppe: 94th Bomb Group
Bomber-Staffel: 331st Bomb Squadron

Zwei Besatzungsmitglieder konnten sich nicht retten.

  • Der Pilot 2. Leutnant James Burnette
  • Co-Pilot 2. Leutnant Gil Leverance

Acht Besatzungsmitglieder wurden Kriegsgefangene.

  • Navigator: Flugoffizier Charles Rogy
  • Bombardier: 2.Leutnant Edward Boulter
  • Flugingenieur / Top-Revolver-Schütze: Stabsfeldwebel Vince Hertzog
  • Funker: Stabsfeldwebel Cyril Daly
  • Ball-Revolver-Schütze: Sergeant Ben Steres
  • Taillenschütze: Sergeant Francis Burke
  • Taillenschütze: Sergeant Ralph Benjamin
  • Heckschütze: Sergeant Rich Schnell

Informationen zur B-17

  • Produktionsblock: B-17G-30-BO: 42-31732 bis 42-31931
  • Hersteller: Boeing 42-31856
  • Maggie’s Drawers alias LUSCIOUS DUCHESS
  • Ausgeliefert: Cheyenne 29/12/1943
  • in Dienst genommen: Kearney 23/1/1944

_________________________________
Nachweis siehe 1.)

07.07.1944 - Der Tod der Bomberpiloten

"
Gegen elf Uhr am Vormittag des 7. Juli 1944 stürzte in Westerode bei den so genannten Fuchshöhlen ein viermotoriger amerikanischer Bomber Typs B-24 ab und ging in Flammen auf. Er war in der Nähe von Halle von Jägern in Brand geschossen worden und hatte es noch bis in den Harz geschafft. Sechs Besatzungsmitglieder verließen per Fallschirm den Havaristen. Die Polizei setzte vier von ihnen zunächst im Rathaus von Bad Harzburg fest und überstellte sie später dem Luftwaffenstützpunkt Goslar. Die beiden anderen erlitten aber ein bestürzendes Schicksal.

Gestapobeamte aus Bad Harzburg ließen sich auf der Ilsenburger Straße den von zwei Bewachern eskortierten Technical Sergeant Lawrence A. Hambel aushändigen, brachten ihn in den Schimmerwald und erschossen ihn mit ihren Pistolen. Der zweite Flieger, es war Second Lieutenant Anthony J. Santomiery, wurde erst im Gestapo-Dienstraum auf Waffen untersucht, dann ebenfalls in den Schimmerwald geführt, angeblich um dessen vergrabenen Waffen zu suchen, und dann ebenfalls erschossen.

Die Morde in Bad Harzburg an den amerikanischen Soldaten beschäftigten nach Kriegsende verständlicherweise die amerikanische Besatzungsjustiz. Insgesamt wurden vier Gestapobeamte der Untat bezichtigt. Zwei blieben allerdings unauffindbar. Die beiden anderen, unter ihnen der Leiter der Dienststelle, wurden zu lebenslangem Zuchthaus, beziehungsweise zum Tod durch den Strang verurteilt. Die Todesstrafe wurde später ebenfalls zu lebenslangem Zuchthaus umgewandelt.

"

_________________________________
Quelle dieser Angaben siehe 2.)

_________________________________

Widersprüchliche Angaben:

  1. Hier wurde das Datum 7.7.1944 genannt. Verschiedene andere Quellen beschreiben den 8.4.1944.
  2. Hier wird der Bombertyp B-24 genannt. Verschiedene andere Quellen beschreiben den Typ B-17
  3. Hier wird von einer 6-köpfigen Bomberbesatzung geschrieben. Alle anderen Quellen nennen eine Bomberbesatzung von 10 Mann.
  4. Die hier, namentlich genannten, ermordeten  Besatzungsmitglieder sind in keinem MissingAirCrewReport (MACR) aufgeführt.

1939 - 1945

Im 2. Weltkrieg bleibt unser Dorf von Zerstörungen durch direkte Kriegsein­wirkungen weitgehend verschont. Bei Kriegsende, als die Munitionsfabrik 'Muna' im Schimmerwald gesprengt wird, gibt es allerdings an vielen Gebäuden Schäden.

An Gefallenen und Vermissten hat Westerode 64 Männer zu beklagen. Da schon während des Krieges viele Menschen aufgenommen werden mussten, die aus den großen Städten evakuiert waren und danach der Flüchtlingsstrom einsetzte, erhöhte sich die Einwohnerzahl auf ca. 1500.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Leiter des Bad Harzburger Gabbro-Steinbruchs Konrad Tönnies als erster Ortsbürgermeister ernannt

1932

Bau der ehemaligen Badeanstalt.

Alte Badeanstalt

1926

Das Begräbnis von Kantor Eimbeck!

Mein Großvater, Hugo Beuleke, war in Westerode in den zwanziger- und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts für die Fahrten mit dem Leichenwagen zuständig.
Der Leichenwagen gehörte der Gemeinde und war in einem kleinen Gebäude auf dem Friedhof untergebracht. Bei Bedarf wurden dann zwei Pferde davor gespannt.

Im Jahr 1926 verstarb Kantor Eimbeck im Fritz-König-Stift in Bad Harzburg. Mein Großvater hatte die Aufgabe, den Sarg mit dem Verstorbenen mit dem Leichenwagen nach Westerode zum Begräbnis zu holen.

Als er dann die Ilsenburger Straße hinunterfuhr, begegnete ihm ein Bekannter, der ihn fragte:

„Na Hugo, wen hast dau denn da inne?“ „Den alten Kantor Eimbeck“, antwortete er und bekam dann mit auf den Weg:
„Mit dem fahr man noch mal orndlich Galopp, dei hat dich doch inne Schaule enuch estritzet.“

So fuhren sie weiter den Fillerbrink (Geismarstraße) hoch Richtung Steinbruchsecke. Als sie um die damals noch sehr scharfe und steile Kurve herumfuhren und es bergab ging, zog Hugo die Bremse scharf an. Dabei „gnuppte“ sie über das Gewinde und der Leichenwagen machte einen Ruck nach vorne, wodurch sich die Pferde so erschraken, dass sie durchgingen. Auf der abschüssigen Sandstraße gab es kein Halten mehr. Heinrich „Kaninchenborman“ der als Gemeindediener und Totengräber mitfuhr, sprang vor Angst kurz vor der unteren Kurve ab.

Zu allem Unglück nahte auch noch ein Zug auf der alten Bahnstrecke nach Ilsenburg. Die Schrankenwärterin Frau Marquardt hatte die Schranken bereits heruntergekurbelt, als sie das Unglücksfahrzeug auf sich zukommen sah. Geistesgegenwärtig drehte sie die Schranken wieder hoch, um das rasende Leichengespann noch vor dem Zug durchzulassen.

Kurz vor dem Bahnübergang brach das Gespann aber nach links aus und fuhr genau mit der Deichsel auf einem Apfelbaum zu. Die Pferde nahmen den noch etwas geschmeidigen Baum genau in die Mitte und kamen somit endlich zum Stehen. Der Sarg auf dem Leichenwagen rutschte dabei nach vorne und landete schließlich auf dem Acker.

Hugo brach sich bei diesem Unfall ein Schlüsselbein, Heinrich Bormann brach sich bei seinem Absprung eine Hand, der alte Kantor Eimbeck hatte die Beine noch mal angezogen und der Ratschlag von Hugos Bekanntem aus der Ilsenburger Straße war in die Tat umgesetzt worden.

Die Geschichte geht aber noch weiter:
Im Trauerhaus wartete die Trauergesellschaft mit dem Pastor auf den Sarg mit dem Verstorbenen. Man schickte schließlich dem Leichenwagen zwei Männer entgegen, die schauen sollten, wo er bleibt. Die kamen dann aber vorerst auch nicht wieder, denn es musste ja erst der Sarg wieder aufgeladen werden, und die Pferde mussten wieder eingefangen werden. 
Bei der Beisetzung, die mit großer Verspätung doch noch an diesem Tage stattfand, gab es noch ein weiteres Missgeschick: In das leere Grab, bei dessen Aushub wohl eine Wasserader angeschnitten wurde, war so viel Wasser gelaufen, dass es beim Herablassen des Sarges an den Seiten hoch spritzte und die Trauergesellschaft nochmals in großen Schrecken versetzte.

Günter Beuleke (2005)

1925

Bereits am 4. Mai 1925 wurden die städtischen Betriebe in ein gemischt-wirtschaftliches Unternehmen unter der Firma: Nordharzer Kraftwerke G.m.b.H. zu Goslar umgewandelt.

Mit dieser Umwandlung übernahm die neue Gesellschaft auch die Bewirtschaftung des Gaswerkes Bad Harzburg und die Ferngasversorgung der Gemeinden Oker, Harlingerode, Bündheim und Schlewecke. Die Ferngasversorgung wurde im Jahre 1925 auf die Ortschaften Westerode, Bettingerode, Lochtum, Vienenburg mit Wiedelah, Abbenrode und die Stadt Osterwieck und im Jahre 1927 auf die Bergstadt Lautenthal ausgedehnt.

1922

Baubeginn in der Siedlung, heute Fasanenstraße.

Es wird ein neues Klassenzimmer in der ehemaligen Scheune des Schulgebäudes eingerichtet.

1920

Posten 11 (Schimmerwald)

Der Haltepunkt Westerode lag früher an der Sandstraße (Bahnposten 12) gegenüber der "Quelle-Siedlung" und war bis etwa 1920 in Betrieb.

mehr zu Bahnhöfe und Haltepunkte

Foto Willi Eligehausen

1914 - 1918

Im 1. Weltkrieg sind 25 Männer aus Westerode gefallen oder vermisst. Die Tafel mit den Namen steht neben dem großen Gedenkstein für beide Weltkriege südlich der Kirche.

1900

Um die Jahrhundertwende hat Westerode 844 Einwohner, 196 Haushaltungen und 78 Wohngebäude.


Erklärungen

Gabbro
ist ein kompaktes, grobkörniges magmatisches Gestein plutonischen Ursprungs. Er ist das plutonitische Pendant des Basalts, d. h., er kristallisierte tief in der Erdkruste aus einem Magma, das nach Austritt aus einem Vulkan an der Erdoberfläche zu Basalt erstarrt wäre.

zurück


Quellen / Nachweise

1.) Army Air Corps Museum

2.) Klaus Röttger / Von Kaisern, Räubern und Wilddieben / Seite 99 / Harzclub-Zweigverein Bad Harzburg e.V.