Der schönste Ortsteil von Bad Harzburg

die Orgel


Restauration des Orgelprospektes der St. Nicolai Kirche Westerode

Im Vorfeld des Einbaues der restaurierten Orgel konnten die Sanierungsarbeiten an der Außenansicht, dem sogenannten Orgelprospekt, kürzlich abgeschlossen werden. Diese Maßnahmen wurden von den Restauratoren Regina und Mark Malinowski durchgeführt, von denen auch bereits die Renovierung des Kirchenraumes durchgeführt wurde.

Zur Historie:

Der Innenraum der schönen barocken  Kirche aus dem Jahre 1612 wurde zwischen 1834 und 1841 umfangreich renoviert. Der gesamte Kirchenraum wurde dabei neu, schön, klassizistisch gestaltet. Die früheren          barocken Verzierungen wurden entfernt. In der Zeit ist ein ruhiger und schlichter Raum geschaffen worden in dem Symmetrie sowie fein abgestimmte Farbtöne herrschten.
Zwei Jahre nach der umfangreichen historischen Kirchenrenovierung, im Jahre 1843, wurde eine neue Orgel vom Orgelbaumeister Johann Andreas Engelhardt aus Herzberg, aufgebaut.
Das Instrument erhielt den bis heute erhalten gebliebenen, zum Kirchenraum passenden klassizistischen Orgelprospekt. An den fein geschnitzten Verzierungen, (Schleierteilen) erkennt man bereits die Epoche Biedermeier, in der Sehnsucht nach Idylle und innerer Ruhe betont wird.
Der ruhige klassizistische Kirchenraum mit den Emporen und dem historischen Orgelprospekt bilden seitdem eine stilistische Einheit, die unbedingt bewahrt werden soll.

Durchgeführte Maßnahmen:

Während der Restaurierungsarbeit und einer Voruntersuchung am Orgelprospekt sind auch andere Farbtöne der abgesetzten Profile und geschnitzten Elementen gefunden worden, die jetzt  wieder die schönen spätklassizistischen Formen des Instrumentes unterstrichen.

Der Orgelprospekt stand bisher unauffällig in einer Kuppel, in der Westseite der Kirche, in der ein starker Schatten wirkte. Nach der Restaurierung wird der Bereich mit einem, nicht direkten, eher mystisch gestalteten Licht beleuchtet, so dass der historische Orgelprospekt auf der Kirchenempore deutlich akzentuiert wird. Es wird eine Bereicherung für die Kirche.
Generelles Ziel der ausgeführten Maßnahmen war grundsätzlich die Erhaltung und Bewahrung des historischen Kirchenraumes und der historisch wertvollen Ausstattungsstücke, vor allem der Orgel.
Darüber hinaus sollten bei den Neufassungsarbeiten auch die angewandten Materialien den denkmalpflegerischen Anforderungen entsprechen, um den langfristigen Erhalt und die Verträglichkeit mit bisher in der Kirche verwendeten Materialien zu garantieren. 
Die äußerst stark verschmutzen Kunstharzfarben an dem Orgelprospekt zeigten, wie wichtig es war, die denkmalgerechten und historisch bewährten Materialien zu verwenden.

Folgenden Maßnahmen wurden durchgeführt, um einen einheitlichen, historischen Charakter des Raumes zu erreichen.

· Reinigung der Oberflächen
· Ausbesserungen der profilierten Elemente
· Zusammenleimen der gebrochenen Teile
· Neufassungsarbeiten mit den leinölhaltigen Farben. Farbtöne strikt nach dem historischem Farbbefund nachgemischt.
· Neuvergoldung der geschnitzten Partien mit Blattgold und Pudergold 24 Karat.
· Speziell angepasste Beleuchtung in dem schwer zugänglichem Kirchenbereich

Das Kircheninnere, sowie sämtliche historische, hölzerne Ausstattungsgegenstände, sind somit in einer einheitlichen, historischen Form aus der letzten spätklassizistischen Umbauphase der Kirche (30-ge und 40-ge Jahre des 19. Jh.) erhalten geblieben, was nach den vielen Umbauten in den anderen Kirchen eher eine Seltenheit ist.

 

Quelle: Malinowski Regina und Malinowski Mark Dipl.-Restauratoren [Bericht] = Historische Daten und durchgeführte Maßnahmen. - 37199 Wulfen : [s.n.], Nov 2021.


Die Restaurierung unserer Orgel hat begonnen!

Am 7. September 2020 war es endlich soweit; Der praktische Teil der Engelhardt- Orgel-Restaurierung hat begonnen, wegen der Corona Pandemie  allerdings ein halbes Jahr später als geplant.

Vier Mitarbeiter der Orgelbaufirma Eule aus Bautzen haben in nur zwei Tagen das gesamte Innenleben der Orgel ausgebaut und fachgerecht verpackt, um die Pfeifen, die Register, den Spieltisch und weitere Bestandteile in die Werkstatt nach Bautzen zu bringen. Stehengeblieben ist nur das Gehäuse, dass vor Ort von Mark Malinowski restauriert und mit einem passenden Farbton versehen werden soll.

Die Einzelteile wurden akribisch gekennzeichnet, um sie zunächst in der Werkstatt und später in unserer Kirche wieder zusammenzusetzen.

Nach historischen Vorlagen des Orgelbauers Engelhardt wird unsere Orgel Schritt für Schritt wieder in ihren ursprünglichen Zustand gebracht.

Eine grundsätzliche Erneuerung erfährt aber das Orgelprospekt, deren sichtbare Pfeifen aus Zinn im 1. Weltkrieg als kriegswichtiges Material herausgenommen wurden. 1927 wurden neue Pfeifen aus Zink bestehend wieder hinzugefügt. Jedoch wurde damit auch der Klang der Orgel verändert. In der hauseigenen Metallwerkstatt Eules werden aus dem ursprünglichen Material neue Pfeifen gerollt und so behandelt, dass der alte Klang unserer Orgel wieder hergestellt wird.

Die Untersuchungen  und Arbeiten in der Orgelbauwerkstatt sollen ca. ein Jahr dauern. Eigentlich war geplant während der Restaurierungsarbeiten für alle Interessierten eine Fahrt nach Bautzen zu organisieren, um einen Einblick in den Orgelbau zu erhalten.Wegen den Corona Auflagen ist die Planung dafür aber vorerst ausgesetzt.

Für die Zeit ohne Orgel werden die Gottesdienste in Westerode von einem E-Klavier begleitet.

Die Feier zur Wiedereinsetzung unserer restaurierten Orgel wird hoffentlich im Laufe des nächsten Jahres ohne  Einschränkungen im festlichen Rahmen stattfinden können.

Oktober 2020 / Günter Beuleke


Was ist jetzt eigentlich mit der Engelhardt-Orgel?

Engelhardt -Orgel Restaurierung in Westerode

Mit großer Dankbarkeit und Freude können wir verkünden, dass die Finanzierung der Engelhardt- Orgel - Restaurierung in Westerode steht und wir bereits eine Firma finden konnten, die den Auftrag ausführen wird.

Durch die 25000 Euro, welche uns die VR Stiftung und die VR Bank Nordharz im letzten Jahr bewilligt hat und den vielen Spenden unserer Gemeindeglieder, bei der über die Jahre eine Summe von knapp 35000 Euro zusammenkam, haben wir nun genügend Eigenkapital angehäuft. Die Landeskirche wird den Restbetrag in Höhe von 45000 Euro dazugeben.

Mit Hilfe dieser glücklichen Ausgangslage haben wir uns im Kirchenvorstand erneut über die Vergabe der Restaurierung erkundigt und beraten lassen.

Auf Anraten unseres Orgelsachverständigen, Rüdiger Wilhelm, haben wir uns abschließend für die Orgelbaufirma Eule aus Bautzen entschieden. Sie hat ein umfassendes Gutachten und Angebot vorgelegt und damit am meisten überzeugt.

Die Firma Eule hat eine über 140jährige Orgelbautradition und gehört zu den renommiertesten in Deutschland und darüber hinaus.

Die Arbeiten an der Orgel sollen im Frühjahr des nächsten Jahres beginnen und werden einige Wochen in Anspruch nehmen.

In dieser Zeit werden wir vermutlich mit einem Ersatzinstrument auskommen müssen, welches unser Singen in den Gottesdiensten begleitet.

Aber nach über 20jähriger Vorbereitung können wir das ohne Probleme hinnehmen.

Der Kirchenvorstand bedankt sich an dieser Stelle bei allen Menschen, welche sich über die Jahre für die Orgel eingesetzt haben. Es ist ein Segen für unsere Gemeinde und unsere Dörfer, dass es Menschen gibt, die ein solches Projekt ermöglichen können.

Mai 2018 / Pfarrer Martin Widiger


Beschreibung der Orgel

Die Orgel in der Ev.-luth. St.-Nicolai-Kirche zu Westerode wird 1843 als Qualitätsarbeit von dem in Fachkreisen bekannten Herzberger Orgelbauer Johann Andreas Engelhardt (1804-1866) hergestellt.
Die historische Engelhardt-Orgel Westerodes ist ein sehr gutes Beispiel für die hochwertige damalige Orgelbaukunst. Dementsprechend stellt die Orgel ein bedeutendes Element der Orgellandschaft des nördlichen Harzvorlandes dar und ist überregional als wertvolles Kulturgut anzusprechen.

Die Engelhardt-Orgel, die als rein mechanisches Schleifladeninstrument gestaltet wird, verfügt über 10 Register mit insgesamt 534 Pfeifen, die sich auf ein Manual und ein Pedal verteilen.

Zum Manual gehören:

  • Principal 8 Fuß, Doppelflöte 8 Fuß, Viola di Gamba 8 Fuß,
  • Principal 4 Fuß, Oktave 2 Fuß, Mixtur III 1 Fuß, Trompete 8 Fuß

Zum Pedal gehören:

  • Subbass 16 Fuß, Violon 8 Fuß, Oktave 4 Fuß

Die Stimmung der Orgel ist in späterer Zeit verändert worden. Ursprünglich ungefähr im heutigen Kammerton gestaltet, was für die Entstehungszeit ungewöhnlich ist, wird das Instrument vor ca. 50 Jahren hoch gestimmt.


Veränderungen an der Orgel

Im Laufe ihrer Geschichte erfährt die Orgel wiederholt verändernde Eingriffe:

  • 1917 werden zu Rüstungszwecken die klingenden Zinn-Pfeifen aus dem Prospekt entfernt. Erst 1929 können sie durch Zinkpfeifen ersetzt werden.
  • 1969/70 erhält die Orgel einen neuen Schwimmerbalg. Manual, Pedal und Traktur werden verändert. Im Bereich der Windladen werden für die damalige Zeit typische und moderne Materialien zur Reparatur eingesetzt. 
    Durch Umstimmen der Pfeifen wird der Klang der Orgel verändert.
  • 1983 wandern die Zink-Prospektpfeifen der Oktave 4 Fuß in das Innere der Orgel und ersetzen dort die Oktave 8 Fuß (Bourdon 8 Fuß). Die Pfeifen dieses Registers werden unter dem Schwimmerbalg abgelegt und finden sich dort komplett und wieder verwendbar noch heute.
    Als weitere Veränderungen werden Prospektpfeifen des Principal 4 Fuß und Principal 8 Fuß als Nicht-Engelhardtpfeifen eingebaut.

Daraus ergibt sich,

  • dass das Pfeifenwerk als Klangmaterial der Orgel von größeren Veränderungen verschont geblieben ist und fast 90 % der Pfeifen als original halten sind.
  • Auch der übrige historische Materialbestand der Orgel ist recht hoch.
  • Der gute allgemeine Erhaltungszustand der Orgel bildet eine optimale Basis für eine Restaurierung.
  • Original erhalten ist auch das Orgelgehäuse.

Restaurierung

Für die Engelhardt-Orgel der St.-Nicolai-Kirche zu Westerode kommt nur eine originalgetreue Restaurierung im mechanischen, gestalterischen und klanglichen Bereich in Frage.
Diese sollte auch die Rekonstruktion der beiden alten Keilbälge und eine Farbgebung der Orgel im ursprünglichen Farbton umfassen.

Goslarsche Zeitung vom 20. Januar 2012

Die Arbeitsgemeinschaft Engelhardt-Orgel, Westerode, hat die Aufgabe, die organisatorischen, fachlichen und finanziellen Voraussetzungen für eine Restaurierung der Orgel zu schaffen und wirkt im Rahmen der der Ev.-luth. Kirchengemeinde Bettingerode-Westerode.

Als Orgelsachverständiger der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und Engelhardt-Spezialist berät und unterstützt Hans-Ulrich Funk mit Fachinformationen und Orgelpräsen-tationen.

Landeskirchenbaurat Martin Schuseil und Orgelsachverständiger Rüdiger Wilhelm der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig wurden detailliert über die geplante Orgel-Restaurierung informiert.

Es erfolgte ein Bauantrag zur Orgel-Restaurierung. Die beiden Kirchenvertreter wurden auf einen Restaurierungs-Zuschuss angesprochen.

Eine gemeinsame Kommission wird den Restaurierungsverlauf begleiten.


Eingeleitete Maßnahmen

Schriftliche Fachinformationen / Suche nach restaurierendem Orgelbauer

  • Dokumentation und Restaurierungsvorschlag für die Orgel wurden in Rahmen einer Gymnasiums-Facharbeit von Anna Spier erstellt. Hans-Ulrich Funk stand dabei informierend zur Seite.
  • Hans-Ulrich Funk schrieb ein Gutachten und einen Rahmenplan für die Restaurierung der Orgel, die die lohnende Wiederherstellung des denkmalwürdigen Instruments und die Restaurierungsdetails darstellen.
  • Aus mehreren Restaurierungs-Angeboten wurde Udo Feopentow, Wienhausen, als restaurierender Orgelbaumeister ausgewählt.

Informationen über die geplante Orgelrestaurierung zum Spendensammeln

  • Mit Hilfe des Kirchenblattes des Pfarrverbands Bettingerode-Westerode/Lochtum, der örtlichen Presse und des Westeroder Dorffests 2010 wurde regional auf die benötigten Gelder zur Orgelrestaurierung hingewiesen.
  • Informationen zur Orgel und ihrer geplanten Restaurierung lieferten die A4- und A5-Hefte auf der Basis der Facharbeit von Anna Spier, die auch weiterhin zum Preis von 12,90 € bzw. 4,90 € erworben werden können. Ihre Preise beinhalteten einen Spendenanteil. Um Spenden   geworben wurde auf Flyern und Postern.