12. Jahrhundert

Das 12. Jahrhundert in Westerode

1180

Seit 1180 waren die Wöltingerröder-Woldenberger Grafen der Lerigaugrafschaft und der Ambergaugrafschaft auch Reichsburggrafen der Reichsfeste Harzburg und bewirtschafteten ihre Güter in Westerode sicherlich von dem Wirtschaftshof (Vorwerk) der Harzburg, der vor dem Ausgang des Schulenröder Tales unter der Harzburg lag, dort, wo heute das evangelische Gemeindehaus an der Kirchstrasse liegt, aus. Ebenfalls1180 wurden die Grafen von Wöltingerode und Woldenberg durch Kaiser Friedrich Barbarossa mit der Reichsfeste Harzburg beliehen.

1174

In der Gründungsurkunde des Klosters Wöltingerode an der Oker am Harz des Jahres 1174 wird unser Westerode am Maschbach unter der Harzburg das erste Mal in den alten Urkunden genannt.

Aus Vergleichen mit anderen schon lange vor 1174 genannten Orten, deren Namen mit -rode enden, folgern die Historiker, dass die Rodedörfer im 9. bis 10. Jahrhundert entstanden sind. Unser Westerode mag somit durchaus 1000 Jahre alt sein.
Die ersten Höfe wurden entlang des Maschbaches (im Volksmund Bäckerbach) gegründet, da das natürlich vorhandene Wasser die Lebensgrundlage für Mensch und Vieh war. Unser Dorf trug wie die anderen Dörfer im Amt Harzburg zur Verpflegung der Harzburg bei und war deshalb eng mit dem Schicksal der Burg verknüpft.

Eine handschriftliche Gründungsurkunde vom 21. Oktober 1174¹) wurde im Urkundenbuch des Bistums – Hochstift Hildesheim mit folgendem Inhalt gedruckt.

Bischof Adelog von Hildesheim bestätigt, das von den Edlen und Grafen des Lerigaues und Ambergaues, den 3 Gebrüdern Ludolf, Hoger und Burchard in Wöltingerode – ihrem Haus- und Stammort, welcher Wöltingerode genannt wurde – gegründet und von ihnen mit Gütern ausgestatte Kloster, darunter 4 Hufen Land und Wald in Westerode, welche Hoger mit seiner Frau Judith besonders besteuerte, und verleiht dem Kloster die Immunität und frei Abtwahl und andere Vorrechte.
Im Einzelnen wurde von der Wöltingeroder Grafenfamilie laut Urkunde folgende Güter gestiftet:

  1. Der Hof und das ganze Dorf ihrer Geburt mit 2 Mühlen, Äcker, Wälder, Gewässer und Weiden um den Ort Wöltingerode.
  2. In „Sutherce“ (heute wüst) bei Weddingen und Immenrode, 2 km westlich von Wöltingerode, 6 Höfe und die dortige Fischerei (wohl an bzw. in den Teichen an der Wedde). 1188 hatte das Kloster dort 5 Hufen und 5 Morgen Land sowie 8 Höfe. 1216 waren es 13 ½ Hufen, die also hinzugekauft oder gestiftet waren.
  3. In Westerode (unter der Harzburg) 4 Hufen (Land mit Wald), welcher Hoger mit seiner Frau Judith besonders besteuerte. „in Westerrothe quatuor mansie cum silba, quos Hogerus cum sua uxore luditha specialiter contulit”

Aber:
Seit 1109 werden die Edlen Grafen von Wöltingerode genannt und es ist daher nicht ausgeschlossen, dass schon damals die Siedlung „Westerode“ vorhanden war, indem sie damals schon ihre 4 Hufen Land und einen Wald daselbst besassen.

¹) Es gibt widersprüchliche Angaben. Einmal heißt es 21. Oktober und dann gibt es Angaben zur Gründungsurkunde mit dem 19. Oktober 1174.

Erklärungen

  • Hufe (Hube)
    • Eine Hufe ist ein altes deutsches Flächenmaß und von Ort zu Ort unterschiedlich. Es wurde für die Gemarkungs- und Hofgrößen gebraucht.
    • Eine Hufe sind etwa 30 Morgen (Mg). So war jedoch ein hannoverscher Morgen größer als ein preußischer Morgen.
    • Eine Hufe waren ca. 15 und 20 ha.
    • 4 Mg = 1 ha = 10.000m²
  • Menner = Gemeinde, Dorfnachbarn
  • Lehen
    • Das konnte sein: ein Stück Land (mit Gebäuden), ein politisches Amt, ein Recht (zu fischen, jagen, Steuern einzutreiben) oder andere Werte von erheblicher Dauer.

Quelle

Auszug aus:

Beiträge zur Geschichte des Amtes Harzburg, Heft 6
CHRONIK des Kirchdorfes WESTERODE
Herausgegeben im Auftrage des Harzburger Altertums- und Geschichtsverein e.V. und der Gemeinde Westerode
von Dr.-Ing. Karl Ewald Schmidt zum Berge / Bad Harzburg 1972

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