19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert in Westerode

1894

  • Am 16. Mai wird die neue Schule eingeweiht, nachdem der 2. Schulanbau fertig gestellt wurde.
  • Am 25. Mai wird die Zentral-Molkerei Bettingerode gegründet, zu der die Westeröder ihre Milch lieferten.
  • Stadtgeometer FR. Knoll schreibt in einer Topographie des Herzogtums Braunschweig über Westerode:
    • Westerode, Kirchdorf, 202 Meter Meereshöhe, unter dem Butterberge (312m) hat 76 Haushaltungen und 787 Einwohner. Es is Filiale von Bettingerode. Station der Ilsenburger Bahn. Diese war eine Haltestelle und wurde „Anhalt“ genannt. Der Ilsenburger Bahnbau war nach dem Staatsvertrag zwischen Preußen und Braunschweig am 11. Juli 1890 begonnen worden.
  • Am 1. Oktober wird die Bahnstrecke Harzburg – Ilsenburg eröffnet und Westerode bekommt einen eigenen Bahnhof.

1890

Am 14. Dezember wird der Karrenführer Wilhelm Steckhan zum Gemeindevorsteher in Westerode gewählt.

1888

Der TSV Westerode wird gegründet.

1887

Am 22. Mai wird Gemeindevorsteher Breustedt in Westerode wiedergewählt.

1881

Am 1. April wird Gemeindevorsteher Breustedt in Westerode wiedergewählt.

Am 17. November wird der neu erbaute Hochofen 2 der Matildenhütte angeblasen.

1880

Am 23. Juli wird Hochofen 1 der Aktiengesellschaft Mathildenhütte wieder angeblasen.

1879

Am 12. März werden sämtliche Besitze der „Harzer Union“ (Matildenhütte, Grube Fredericke und Josephshütte bei Rottleberrode) für 419.000 Mark an die Hamburger Waren-Kreditanstalt verkauft.

1877

Im Juli stellen die Grube „Fredericke“ und die „Mathildenhütte“ vorübergehend infolge schlechter Konjunktur ihren Betrieb ein.

1876

1876 wurde die Separation¹) abgeschlossen. Die bis dahin kleinere Ackerstücke wurden zu größeren Flächen zusammengelegt. Dadurch war der Landwirtschaft die Möglichkeit gegeben, den Boden praktischer und intensiver zu nutzen.

Wie andere Dörfer hatte Westerode die Gewanne-Einteilung. Eine Wanne umfasste einen größeren Ackerplan, der an die einzelnen Bauern verteilt war.
Man kann sich vorstellen, wieviel Zeit jetzt nach der Zusammenlegung der Felder zu größeren Ackerplänen gespart wurde, wo nicht mehr jeder Landwirt in allen Teilen der Feldflur Land hatte und die vielen langen Wegstrecken zurücklegen musste.
Die Separation brachte die Auseinandersetzung der gemeinschaftlich genutzten Äcker und Wiesen. Die gemeinschaftlichen Grundstücke in der Feldmark wurden also an die weideberechtigten Gemeindemitglieder verteilt und zu deren Ländereien hinzugeschlagen. Damit verschwand der früher dem ganzen Dorfe gemeinsame Besitz an Angern und Wiesen, Weiden und Triften.  Eine notwendige Folge war dann die Aufhebung der Weide- Hütungsrechte und ebenfalls die Aufhebung der gemeinsamen Schäferei-, Hirten- und Stammviehhaltung. Pferde und Schweine waren bereits seit langer Zeit nivht mehr auf die Weide geführt, nur Kühe, Schafe und Gänse trieb man noch im Frühling bis zum 2. Mai und dann wieder vom 1. Oktober bis zum Eintritt des Winters auf die Wiesen und Anger.
Durch die Separation war der Landwirtschaft die Möglichkeit gegeben, den Boden praktischer und intensiver zu bewirtschaften.
Das aufgeteilte Angerland war von Hecken und Buschreihen meistens befreit worden, wurde im Besitz der einzelnen besser gepflegt und gedüngt und brachte reicheren Ertrag. Durch die nunmehrige Stallfütterung des Viehs fiel mehr Mist an, der besser und regelmässiger verteilt wurde, ein Brachfeld überflssig machte und so über die Dreifelderwirtschaft hinausführte. 

¹) Definition – Gebietsabtrennung (zur Angliederung an einen anderen Staat oder zur politischen Verselbstständigung)

1873

September bis Oktober gab es eine Choleraepidemie und in Westerode gab es ein Todesfall am 14.10.

1872

Konsul Meier verkauft die Grube „Friederike“ und „Mathildenhütte“ auf der Westeröder Feldmark an die Aktiengesellschaft „Harzer Union“.

1871

23. Juli – großes Kriegerfest zu Ehren, der aus dem Feldzuge heimkehrenden Krieger aus den Gemeinden Neustadt, Bündheim, Schlewecke, Harlingerode, Bettingerode und Westerode.

1866

Eine Choleraepidemie fordert 7 Todesfälle in Westerode.

Ein zweiter Hochofen wird auf der Mathildenhütte gebaut.

1863

A. Lambrecht schreibt in einer Topographie des Herzogtums Braunschweig über Westerode.

Nun hat Westerode bereits 475 Einwohner, 54 Feuerstellen und eine Schule, welche Gemeinde und Prediger besetzt.
Ein hiesiger Acker- und Großkothhof haben einige Vorrechte vor den übrigen. Ackerbau, Viehzuchtund das Fuhrwesen, sowie Holzhandel sind Nahrungsquelle der hiesigen Einwohner. Auch baut man hier viel Gartenfrüchte an um diese auf dem Harz zu verwehrten. Im nahen Butterberge ist ein Steinbruch und eine Mergelgrube.
Der Ort, wo die Grundstücke noch nicht separiert, besteht aus 2 Acker-, 2 Halbspänner-, 5 Kärner, 25 Kothhöfen und 21 Bringsitzer- und Anbauerwesen.

„Halbspänner Hof“, auch bekannt als Halbmeier, war ein Hof, der im ländlichen Raum Nordwestdeutschlands von einem leibeigenen Bauern bewirtschaftet wurde, der eine mittlere Position in der dörflichen Hierarchie einnahm.

„Kärner“ ist eine ältere, meist landschaftliche Bezeichnung für ein Beinhaus oder eine Kapelle mit Beinhaus, oft auf Friedhöfen gelegen. Es kann sich auch um eine Räucherkammer oder Fleischkammer handeln, vor allem in veralteter, regionaler Verwendung.

„Kothhof“ im ursprünglichen Sinne einen Hof, der mit Koth oder Dung in Verbindung stand, möglicherweise aufgrund seiner Nutzung als Stallung oder Lagerplatz für solche Materialien. 

„Die Brinksitzer“ waren eine soziale Gruppe im ländlichen Norddeutschland. Sie besaßen ein kleines Anwesen, eine sogenannte Büdnerei, mit Haus und Garten, aber nur wenig Land. Der Begriff leitet sich vom niederdeutschen Wort „Brink“ ab, was eine leicht erhöhte Stelle am Rande des Dorfes oder eines Gehöfts bezeichnet.

1861

Die Mathildenhütte auf Westeröder Gebiet in Betrieb genommen. Es wird Eisenerz aus der Grube Friederike und Grube Hansa verhüttet. Danach wur­den auch die Wohnhäuser für Hüttenarbeiter an der Mathildenhütte gebaut.

1853

hat Westerode 425 Einwohner.

1850

Juli bis Oktober. Die große Choleraepidemie. In Westerode kamen keine Todesopfer vor.

1843

In diesem Jahr wurde die jetzige Kirchenorgel von Engelhardt Orgelbaumeister zu Herzberg erbaut.

1818

Das jetzige Dorfgemeinschaftshaus wurde das Schulgebäude errichtet. Seit 1568 gab es eine Schule in Bettingerode, wohin die großen Kinder Westerodes gin­gen. Die kleinen Kinder wurden wohl bis 1817 von schreib-, lese- und rechen­kundigen Westeröder Einwohnern unterrichtet.

QUELLE

Auszug aus:

Beiträge zur Geschichte des Amtes Harzburg, Heft 6
CHRONIK des Kirchdorfes WESTERODE
Herausgegeben im Auftrage des Harzburger Altertums- und Geschichtsverein e.V. und der Gemeinde Westerode
von Dr.-Ing. Karl Ewald Schmidt zum Berge / Bad Harzburg 1972

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